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Optionales Tax Control Framework: Kosten, Vorteile und Strategien für KMU

​​​​​​veröffentlicht am 6. März 2026 | Lesedauer ca. 5 Minuten

Die Steuerreform hat die Logik der cooperative compliance auch auf Unternehmen kleinerer Dimensionen, die die Schwellenwerte für die kooperative Erfüllung nicht erreichen, durch die Einführung des optionalen Steuerkontrollrahmens gemäß Art. 7-bis des Gesetzesdekrets 128/2015 ausgeweitet. Mit dem Ministerialdekret vom 9. Juli 2025 und der anschließenden Verfügung des Direktors der Agentur der Einnahmen Nr. 42022 vom 3. Februar 2026 ist die Regelung nun vollständig in Kraft getreten. Daher ist es nun vorrangig zu überprüfen, ob das Verhältnis zwischen der erforderlichen organisatorischen Komplexität und der anerkannten Vorteile das Instrument für KMU wirklich attraktiv macht.

Das Hauptziel des Gesetzgebers mit dem optionalen TCF ist es, die Verbreitung einer strukturierten Herangehensweise für das Management des Steuerrisikos auch unter kleinen und mittleren Unternehmen und nicht börsennotierten Unternehmensgruppen zu verbreiten und so die Transparenz und Vermeidung von Steuerrisiken, welche zu Streitigkeiten führen könnten, zu fördern.

Insbesondere der genannte Artikel 7-bis sieht vor, dass Steuerzahler, welche die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der kooperativen Regelung nicht erfüllen, sich für die Anwendung eines Systems zur Erfassung, Messung, Steuerung und Kontrolle des steuerlichen Risikos, entscheiden können, nachdem sie dies der Agentur der Einnahmen kommuniziert haben. Mit der Ausübung dieser Option sind bestimmte „Vergünstigungs-Effekte“ verbunden. 

Zu den wichtigsten Vorteilen der Regelung zählen:
  • Die Nichtanwendung von Verwaltungsstrafen für Steuerverstöße, die sich aus steuerlichen Risiken ergeben und den steuerlichen Behörden vor Ablauf der Frist für die Abgabe der Steuererklärung oder der Erfüllung entsprechenden Verpflichtungen durch einen Antrag auf steuerliche Auskunft gemäß Art. 11 des Gesetzes 212/2000 mitgeteilt wurden;
  • Die Nichtanwendung der Bestimmungen für das Delikt einer ungetreuen Steuererklärung gemäß Art. 4 des Gesetzesdekrets Nr. 74 von 2000 auf Verstöße der Steuergesetze, welche auf Steuerrisiken zurückzuführen sind, die der Steuerbehörde rechtzeitig mitgeteilt wurden. 

Trotz dieser Vorteile ist die optionale TCF nur begrenzt attraktiv, besonders im Vergleich zur regulären Regelung. Die Regelung bietet einige weniger einschneidende Vorteile wie der Wegfall der Halbierung der Strafe für Verstöße, die vor dem Eintritt in die Regelung begangene Steuerrisiken darstellen, eine geringere Möglichkeit des vorherigen Austausches mit der Agentur der Einnahmen und die fehlende Aufnahme des Unternehmens in die Liste der „tugendhaften“ Unternehmen, welche auf der Website der Steuerbehörde veröffentlicht wird. Zu den wichtigsten kritischen Punkten für kleine und mittlere Unternehmen zählen die hohen Umsetzungskosten des TCF-Systems, die Notwendigkeit von Fachkompetenzen und der mögliche Widerstand der internen Kultur gegen die Einführung dieser strukturierten Verfahren zum Management des Steuerrisikos.

Aus operativer Betrachtung definiert der Art. 2 des Gesetzesdekrets 9 vom Juli 2025 eine notwendige Dokumentation für die Anwendung der optionalen Regelung:
  • Dokument mit einer Beschreibung der ausgeübten Tätigkeiten des Unternehmens;
  • Steuerstrategie, die vor Ausübung der Option genehmigt wurde;
  • Dokument mit einer Beschreibung des angewandten Systems der Erfassung, Messung und Steuerung von Steuerrisiken und seiner Funktionsweise;
  • Übersicht der Unternehmensprozesse;
  • Übersicht der Steuerrisiken;
  • Zertifizierung des Systems der Erfassung, Messung und Steuerung des Steuerrisikos, ausgestellt von zugelassenen Zertifizierern, die im entsprechenden Verzeichnis der Zertifizierer eingetragen sind (im regulären TCF nicht vorgesehen). 

Das Antragsformular, welches in elektronischer Form auf der Website der Agentur der Einnahmen zur Verfügung steht, muss unterschrieben und ausschließlich per zertifizierter Mail (PEC) an die zuständige Stelle der Zentraldirektion für Großunternehmen und Internationales gesendet werden, die den Kontakt zu den Teilnehmern des kooperativen Compliance-Systems verwaltet. Die Behörde überprüft die Konformität des Systems und bewertet die Zertifizierung, wobei sie das Ergebnis der Prüfung innerhalb 120 Tage nach Erhalt des Formulars mitteilen muss. Besonders wichtig ist die Bestimmung, dass Anträge auf steuerliche Auskunft für die Anerkennung von Sanktionsvorteilen bei den zuständigen territorialen Ämtern der Agentur der Einnahmen unter Einhaltung sämtlicher Rechtsvorschriften vorgesehenen Zulässigkeitsvoraussetzungen eingereicht werden müssen. Der Austausch findet also nicht direkt mit dem Amt für kooperative Erfüllung der Zentraldirektion statt, sondern zunächst mit den jeweiligen territorialen Ämtern. 

Die optionale Regelung hat eine Laufzeit von zwei Jahren, beginnt mit dem Steuerzeitraum, in dem die Option kommuniziert wird und verlängert sich automatisch, außer sie wird ausdrücklich vom Unternehmen widerrufen. Die Verlängerung erfordert keine erneute Zertifizierung, außer es sind eventuelle Aktualisierungen aufgrund von Änderungen im System und/oder in der Organisationsstruktur erforderlich.

Aus dokumentarischer Sicht stellt die Entscheidung für die optionale Regelung für die Unternehmen, die zur kooperativen Erfüllung der Meldepflichten zugelassen sind, einen Aufwand dar. Für KMU mit weniger formalisierten Organisationsstrukturen und oftmals ohne interne Verfahren, kann dies einen erheblichen Mehraufwand bedeuten, sowohl in Hinblick auf die Implementierungskosten als auch an Bedarf an Fachkompetenzen, sowie einen kulturellen Wandel, der nicht immer von Beginn an zu bewältigen ist. In dieser Hinsicht könnte es zur Steigerung der Attraktivität der optionalen Regelung sinnvoll sein, die notwendigen Anforderungen der optionalen Regelungen besser an die Größe und der organisatorischen Struktur Unternehmen kleinerer Dimensionen anzupassen.

Andererseits kann die Einführung eines strukturierten Systems das Management des Steuerrisikos bereits innerhalb kurzer Zeit positive Auswirkungen haben. Durch die Einführung klarer interner Kontrollen, Kontrollverfahren und einer bewussten Zuordnung von Risiken können eventuelle kritische Punkte zeitgerecht erkannt und die Wahrscheinlicht zukünftiger Beanstandungen reduziert werden. In dieser Hinsicht sind die Vorteile der Regelung, auch wenn sie weniger umfangreich sind als der reguläre TCF, nicht zu vernachlässigen und können zu einer generellen Stärkung der Unternehmensorganisation und zu einem bewussteren und transparenteren Umgang mit der Steuervariabel führen. 

Zusammenfassend stellt das optionale TCF für KMU, die ihre Steuerrisiken besser kontrollieren möchten, ein potenziell relevantes Instrument für KMU dar, dessen Attraktivität jedoch von einem angemessenen Gleichgewicht zwischen den erforderlichen Aufwendungen und den anerkannten Vorteilen abhängt. Eine verstärkte Verhältnismäßigkeit der Voraussetzungen in Abhängigkeit der Unternehmens-Dimensionen könnte eine breitere Verbreitung begünstigen, was im Einklang mit der kooperativen Logik der Reform steht. 

Die Unternehmen sind daher aufgefordert, die operativen Auswirkungen des Modells, die Nachhaltigkeit der Anforderungen und den Beitrag und die Vorteile, die das System in Bezug auf die Steuersicherheit bieten kann, zu analysieren.

Eine auf die organisatorischen Besonderheiten abgestimmte Analyse ermöglicht es, zu verstehen, ob die Regelung in der Lage ist, mittel- bis langfristig einen effektiven Mehrwert zu generieren, sowohl in Bezug auf die interne Governance als auch auf das gesamte Management der Steuervariable.

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